Liebe Bürgerinnen und Bürger von Kämpfelbach,
sehr
geehrter Herr Bürgermeister Kleiner, sehr geehrter Herr Kopp, liebe
Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates und Herr Schott von der
Presse.
Erstmals fand bereits die 1. Beratung des Haushaltsplanes am 4.1.2013 öffentlich statt.
Aus
unserer Sicht hat sich gezeigt, dass eine solche Beratung, auch wenn in
einzelnen Punkten strittig geführt, den Bürgern Einsicht gibt, wie die
Meinungs- und Argumentationsunterschiede sind und wie es zu
Mehrheitsfindungen kommt. Ein Stück Offenheit, die wir beibehalten
sollten.
Der
von der Verwaltung gut ausgearbeitete und Bürgermeister Herrn Kleiner
vorgetragene Entwurf hat sehr übersichtlich die Schwerpunkte, die
Stärken aber auch Schwächen aufgezeigt.
Auf
den 1. Blick sieht der 2012 von gut 11 Mio. € um 809.000 € auf fast 12
Mio. € in 2013 gestiegene Verwaltungshaushalt gut aus, so dass noch
eine Zuführung an den Vermögenshaushalt von 980.000 € möglich ist.
Alleine 898.000 € gestiegene Einnahmen aus den Steuern tragen dazu bei.
Wesentliche Einzelbeträge dabei sind die um ca. 510.000 € gestiegenen
Schlüsselzuweisungen vom Land und der um ca. 288.000 € gestiegene
Gemeindeanteil bei der Einkommensteuer.
Die Gewerbesteuer dümpelt leider noch immer auf einer schon in den letzten Jahren ähnlicher Höhe von 550.000 € vor sich hin.
Vorbei sind die Zeiten als in 2005 u. 2007 noch über 1.2 Mio. Gewerbesteuer in den Haushalt geflossen sind.
Die Summe der Einnahmen aus dem Gesamthaushalt 2013 beträgt 15.301.000 € gegenüber dem aus 2012 von 15.086.000 €. Ein Plus von 215.000 €.
Bei den Ausgaben haben wir jedoch eine Steigerung von 11.148.000 € in 2012 um 809.000 € auf 11.957.000 € in 2013.
Ohne
den Rückfluss eines gemeindeeigenen Darlehens in Höhe von 900.000 € aus
der Wasserversorgung würde es sich nicht so positiv darstellen. Ohne
diese Rückzahlung wäre der vorläufige Stand bei den Rücklagen von
1.194.000 € auf nur noch 294.000 € und damit nur geringfügig über den
Mindestbetrag von 213.411 € geschrumpft.
Viele Ausgaben können wir nicht beeinflussen und wirken sich dennoch stark nachteilig auf unseren Haushalt aus.
So belastet uns die Kreisumlage statt 2011 mit 1.661.700 € mit nunmehr 1.781.200 €, einem Plus von fast 120.000 €. Auch der Schulverband will 31.000 € mehr.
Beim Schulkonzept und Kinderbetreuung hat sich die Konzeptlosigkeit der Landesregierung auch bei uns im vollen Umfang nieder-geschlagen. Stichwort Gemeinschaftsschule, Zukunft der Grundschule.
Unsere
Kooperation mit der Remchinger Werkrealschule wurde nach kurzer
Laufzeit aufgekündigt. Es fehlt im Schulsystem an Orientierung und
klaren Strukturen.
Einer qualitativ guten Bildung unserer Jugend ist das nicht dienlich. Es gibt dadurch auch Planungsunsicherheiten.
Wie
will man unter diesen Umständen ein Nutzungskonzept der Räumlichkeiten
in der Kirchbergschule erstellen, wenn man nicht weiß was wir morgen
für welches Schulsystem benötigen?
Räumlichkeiten
die uns für die Kinderbetreuung fehlen. Einerseits weil dafür Bedarf
besteht, aber auch weil ein Gesetzesanspruch geschaffen wurde, den wir
mit Gemeindemittel bezahlen dürfen.
Allein
an Investitionszuschüsse fallen in diesem Jahr für Bilfingen 450.000 €
und für Ersingen 150.000 € an. Die Zuschüsse an die Einrichtungen
werden von 736.000 € auf 1.031.000 € also um 295.000 € steigen. Hier
sehen wir das Land nach dem Konnexitätsprinzip in der Verantwortung,
uns Kommunen stärker zu unterstützen.
Doch auch Selbstkritik
ist in diesem Fall angebracht. Viel zu lange haben wir gebraucht um
nach langwieriger Planung, zähen Vertragsverhandlungen und
Klein-Klein-Getümmel hier zum Abschluss zu kommen. Da wünschen wir uns
künftig von Anfang an einen vorbehaltloseren offeneren Umgang
untereinander. Dass das möglich ist hat sich gerade in der Schlussphase
gezeigt, als mit großem Schulterschluss, über alle Fraktionen hinweg,
eine Lösung gefunden wurde die heute Abend hoffentlich ein vorläufiges
Ende finden wird.
Vorläufig deshalb, weil es sicherlich weitere Schritte geben muss. Sei es in Bilfingen mit dem weiteren Ausbau der Betreuung nach der Fertigstellung des Anbaus beim St. Josef-Haus oder in Ersingen durch die Ablösung des Provisoriums mit den Containern.
Die Gemeinde unterhält eine Vielzahl von Gebäuden die aber nur zu einem
geringen Teil von ihr, sprich Verwaltung oder Bauhof, selbst genutzt
werden. Deren Unterhaltung kostet, da auch in die
Jahre gekommen, immer mehr Unterhaltungsaufwendungen. Das zeigt sich in
den Unterhaltungskosten die von 395.900 € um 108.000 € auf 504.000 €
gestiegen sind.
Aber auch die Personalausgaben werden steigen müssen, um die Substanz zu erhalten.
Die Sozialstation
wird dieses Jahr mit einem Zuschuss gefördert. Nachdem uns bekannt
wurde, dass nach mehreren Jahren mit positiver Bilanz, erstmals für
2011 die Sozialstation ein Defizit hatte und für 2012 ebenfalls ein
Defizit erwartet wird, haben wir bereits im November letzten Jahres den
Antrag gestellt, die Finanzierung der Sozialstation auf die
Tagesordnung zu bringen. Das taten wir aus Interesse für diese wichtige
Einrichtung, die uns sehr am Herzen liegt. Wie Sie bereits im
Gemeindeblatt lesen konnten, hätte sich unsere Fraktion statt eines
Zuschusses die Übernahme von Mietkosten und die Kostenübernahmen bzw.
Erstattung von Sanierungskosten der gemeindeeigenen Immobilie
gewünscht. Denn dann wäre ein großer Teil des Defizits aus den Jahren
2011 u. 2012 erst gar nicht entstanden. Die Leitung, Verwaltung und die
Pflegekräfte erbringen eine engagierte Leistung zum Wohle unserer
Bürger. Gleichwohl ist ein Zuschuss die von uns gewünschte Anerkennung
und Zeichen für die Bevölkerung, an die durch die Sozialstation
betreuten Menschen und an die Arbeitskräfte, dass wir an der
Sozialstation festhalten und diese auch finanziell absichern wollen.
Wir werden darauf achten, dass es kein einmaliger Zuschuss bleiben
wird, sondern dass nach Bedarf und Notwendigkeit, auch künftig unter
die Arme gegriffen wird.
Unsere Verwaltung
ist sicher nicht mehr zeitgemäß ausgestattet und untergebracht. Dass
sich Mitarbeiter Arbeitsplätze teilen müssen oder Arbeitsplätze für
gemeinsame Pausen genutzt werden entspricht nicht unseren Vorstellungen
einer modernen Verwaltung. Für zusätzliches Personal oder für
Auszubildende fehlen Räumlichkeiten. Archiv,
Bauunterlagen usw. verteilen sich auf mehrere Standorte. Wir verlangen
zu Recht, dass eine Verwaltung effektiv, kostenbewußt und bürgernah
ist. Dann müssen wir aber auch für eine entsprechende Infrastruktur
sorgen. Wir sind bereit, dem durch Baumaßnahmen Rechnung zu tragen. Was
wir aber von der Verwaltung dafür verlangen ist, ein klares Konzept für
alle Arbeitsbereiche und Mitarbeiter. Mit den bisherigen teils vagen
Vorstellungen sind wir noch nicht zufrieden. Dass dafür Planungskosten eingestellt worden sind, entspricht jedoch unseren Wünschen und wir erwarten als Ergebnis darauf eben solch eine klare Konzeption.
Dieser muss auch die Räumlichkeiten in Bilfingen
umfassen. Zugang und Öffnungszeiten, Auskunft- und
Beratungsumfangsmöglichkeiten für die Bürger. Ohne umfassendes Konzept
sind wir nicht entscheidungs-fähig. Können wir uns das in der Zukunft
angesichts der steigenden Kosten und bescheidenen Einnahmen noch alles
leisten? Wir haben in den letzten Jahren sicherlich über dem
langjährigen Schnitt investiert. Was auch nötig war, weil in den Jahren
davor zu wenig getan wurde.
Aber wir haben auch Reserven aufgebraucht.
Die
Gemeinde hat alle Bauplätze und einige Häuser verkauft. Ein Teil des
EnBW-Aktienpaketes wurde ebenfalls verkauft. Das gemeinde-eigene
Darlehen durch Umschuldung von der Wasserversorgung in den Haushalt
eingebracht.
Wir denken,dass alles auf den Prüfstand muss. Dazu gehören auch Doppelstrukturen, wie bei der Feuerwehr die auf zwei Standorte und Gebäude verteilt ist.
So schön und wichtig der Erhalt der Bilfinger Kelter
ist, so wird sie uns auch lieb und teuer werden. In 2012 noch mit
410.000 € Renovierungskosten veranschlagt werden es nun in 2013 aber
geplante 595.000 €. Wir werden sehen ob nicht noch weitere Wünsche auch
diesen Rahmen sprengen. Die künftigen Unterhaltungskosten werden
unseren Haushalt weiter schmälern. Das zeigt sich bei allen anderen
öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden, die Institutionen oder
Vereinen überlassen wurden, aber nur zu einem sehr geringen Anteil ihre
Kosten tragen. Ob die Kostenbeteiligung und Nutzungs-entgelte dafür
angemessen sind muss auf den Prüfstand.
Alle bisherigen Investitionen,
ob Hallensanierungen, Schulgebäude--sanierungen oder Parkplätze sind
zwar schön und auch nicht unwichtig, bringen uns für die Zukunft aber keine Ent-, sondern durch die Unterhaltungsmaßnahmen eher eine Belastung.
Einzig die Erneuerung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik sollte
sich über sinkende Ausgaben bei den Energiekosten rechnen, ist aber
bisher nicht spürbar.
Wir brauchen strukturelle Veränderungen und
dafür einen Plan für die nächsten Jahre. Obwohl von allen Fraktionen
gefordert, sich darüber in Klausuren oder Strategiemeetings Gedanken zu
machen, blieb es bisher nur bei Ansätzen dazu.
Unsere Antwort dazu.
Für die Zukunft wünschen wir uns eine klarere Ausrichtung unserer Investitionen und Bemühungen für die Gemeinde.
Es gibt aus unserer Sicht nur 3 Ausrichtungsmöglichkeiten.
Zu versuchen über Gewerbesteuereinnahmen
unsere Einnahme--situation zu verbessern. Das dürfte aber daran
scheitern, dass es uns nicht möglich ist dafür eigene Gewerbeflächen
auszuweisen. Ein interkommunales Gewerbegebiet „Steidig“ mit Pforzheim
kommt für uns aber nicht in Frage.
So weitermachen
wie bisher dürfte uns auf Dauer aber auch nicht gelingen. Wie
ausgeführt steigen unsere Ausgaben auf die wir selbst keinen Einfluss
haben.
Einsparungspotentiale
sind nur geringfügig vorhanden. Unsere Verwaltung wirtschaftet
anerkennend sparsam. Vor allem helfen uns Kleinbeträge von 500,-- €
hier und 700,-- € da nicht weiter.
Als einzig sinnvolle Strategie ist die Ausrichtung als Wohngemeinde.
Dazu gehört aber die Ausweisung von Bauland.
Bell Bohngärten wäre eine Möglichkeit die angegangen werden, aber der
weitere Maßnahmen folgen müssen. Wichtig dabei ist, dass sich der Grund
und Boden in Gemeindehand befinden muss. Nur so ist eine zügige
Bebauung ohne Baulücken gewährleistet. Für deren Ankauf müssen Mittel
bereitgestellt werden.
Zu einer Wohngemeinde gehört auch die Infrastruktur,
so dass sich Familien und jeder Mitbürger jeder Altersschicht
wohlfühlt. Dazu gehört: Die erwähnte Kleinkind-, Kinder-, Ganztages-
oder Ferien-betreuung. Die Sozialstation bietet kranken oder älteren
Mitbürgern Sicherheit in der gewohnten Umgebung bleiben zu können und
die sozialen Anschlüsse und Kontakte nicht zu verlieren.
Sport und Freizeitangebote für die Aktiven in unserer Gemeinde. Bücherei und Hallenbad erfüllen dabei ebenfalls wichtige Aufgaben.
Laßt uns gemeinsam eine solche Strategie entwickeln und daran arbeiten. Das ist unser Aufruf und Bitte an die Verwaltung und alle Fraktionen. Wir werden uns offen und kompromissbereit zeigen.
Zum Haushalt der Wasserversorgung
ist zu sagen, dass die Straßen- und Kanalsanierungen unseren Haushalt
auch in den nächsten Jahren finanziell stark belasten werden. Dennoch
müssen wir nach der Prioritätenliste der Eigenkontrollverordnung jedes
Jahr weitere Straßen entsprechend der finanziellen Möglichkeiten
sanieren. Bei den Gebühren wurden zwischenzeitlich Höhen erreicht die
an der Belastbarkeitsgrenze liegen. Deshalb gilt es Augenmaß zu halten.
Rückstände der vergangenen Jahre lassen sich nicht so schnell
aufarbeiten. Auch wenn das Landratsamt hier Druck aufbaut. Trotzdem
dürfen die Bürger nicht übermäßig belastet werden.
Der Haushalt wurde von der Verwaltung und Kämmerer H. Kopp in gewohnt guter Weise ausgearbeitet.
Die CDU-Fraktion bedankt sich beim Gremium für die offene, teils auch
hart geführte aber nie persönlich verletzende Diskussion, bei Herrn
Bürgermeister Kleiner und Kämmerer Kopp für diese Ausarbeitung und
stimmt dem Haushaltsplan 2013 und dem Wirtschaftsplan des
Eigenbetriebes der Wasserversorgung zu.
Kämpfelbach, im Januar 2013
Siegfried Böhm
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